Die meisten von Ihnen haben Unterweisungen über den Buddha gehört und auch über die verschiedenen Erscheinungen und Körper des Buddha. Sie haben davon gehört, daß es der Mühe wert ist, Dharma anzuwenden, und daß man durch die Anwendung von Dharma den Zustand der Buddhaschaft erreichen kann. Wie dieser Prozeß jedoch tatsächlich vollzogen wird und was die eigentliche Natur des Buddha oder der Körper des Buddha ist, das ist den wenigsten wirklich deutlich.
Manche Leute sprechen davon, daß sie sich der einen Erscheinung der Buddhas sehr zugeneigt fühlen, während sie andere wieder nicht so sehr mögen. Das ist ein Zeichen dafür, daß ihnen die eigentliche Natur des Buddha nicht deutlich ist. Deshalb möchte ich eine kurze Erklärung über die Anwendung des Dharma und über die Natur des Zieles, d.h. über die Körper des Buddha geben.
Durch verschiedene zusammentreffende Umstände kann es vorkommen, daß in jemandem ein Interesse für Dharma entsteht. Dies ist die Basis für alle Eigenschaften, die dann durch die Anwendung von Dharma im Laufe der Zeit erreicht werden.
Dieser Wunsch, Religion oder Dharma auszuüben, kann dazu führen, daß die einen sich mit dem Christentum beschäftigen, die anderen mit dem Hinduismus, andere mit dem Buddhismus oder mit was immer für einer Religion. Nachdem in jemandem der Wunsch aufgetreten ist, sich mit Dharma zu beschäftigen, hängt es einesteils von den früheren Eindrücken, andernteils auch von den Umständen in der unmittelbaren Umgebung der Person ab, in welcher Richtung sich dieses Interesse entwickeln wird. Daher wenden sich verschiedene Leute ganz unterschiedlichen Arten von Dharma zu.
Man hat völlige Freiheit, sich mit Religion zu befassen oder nicht. Tut man es, ist das sicher ein Vorteil. Denn betrachtet man die Auswirkungen einer Anwendung von Dharma auf die weitere Zukunft, dann erkennt man, daß nur die Beschäftigung mit dem Dharma einen wirklich positiven Effekt erzeugen kann.
Und betrachtet man die Auswirkungen der Beschäftigung mit dem Dharma in nur diesem Leben, dann kann man ebenfalls erkennen, daß das Streben des Menschen darauf gerichtet ist, sein Unbehagen, sein Leid irgendwie zu überwinden. Und zwar ist das geistige Leid, das er erfährt, wesentlich dominierender als das körperliche. Die Beschäftigung mit Dharma erlaubt es dem Menschen, dieses geistige Leid zu überwinden und Ausgeglichenheit, Entspanntheit und Fröhlichkeit zu erlangen.
Man betrachtet es als etwas sehr Wichtiges, Traurigkeit und Unbehagen zu beseitigen; und es gibt sehr wenig Möglichkeiten, ein solches Ziel zu erreichen. Der einzige Weg, eine Fröhlichkeit und ein Wohlbehagen, die dauerhaft sind, hervorzubringen, ist geistige Anstrengung, ist die Anwendung von Dharma. Andere Mittel führen nur zu vorübergehenden Erleichterungen oder zu zeitweiliger Freude.
Zuerst muß man verstehen, wie Dharma richtig ausgeübt wird, und dann kann man es in seinen Gedanken, in seinen Überlegungen anwenden, Erfahrung damit sammeln und die Richtigkeit der Unterweisungen selbst erkennen. Wenn man sich jedoch nicht für Dharma interessiert oder in der Anwendung Fehler macht, dann können selbstverständlich keine solchen Resultate erzielt werden.
Nun möchte ich in bezug auf den Buddhismus die Entwicklung zeigen, die jemand durchläuft, wenn er Dharma ernsthaft anwendet.
Zuerst muß man die Natur des eigenen Geistes betrachten und erkennen, daß er von einer Existenz zur andern geht und daß die jetzige Existenz nur ein ganz kurzer Zeitabschnitt ist im Vergleich zu dem, was davor und danach ist. Von diesem kurzen Zeitabschnitt, den dieses Leben darstellt, hat man zudem einen Großteil schon verbraucht. Dies läßt erkennen, wie wichtig es ist, daß man sich bemüht, auch Vorbereitungen zu treffen, die dann in der Zeit nach dieser Existenz eine nützliche Auswirkung haben.
Man richtet seine Bemühungen daher auf zwei Ziele: Einerseits den Unterhalt dieses Lebens zu sichern und andererseits Vorbereitungen zu treffen, die einem in der Zeit nach dieser Existenz von Nutzen sein werden.
Was dieses Leben betrifft, muß nicht viel gesagt werden; es ist uns allen deutlich, was dieses Leben ist und was es beinhaltet.
Und fragt man sich, was auf einen in der Zukunft, nach dieser Existenz wartet, dann gibt es zwei Möglichkeiten; entweder man existiert in einer Art und Weise, in der Leid stärker ist als eventuelles Glück, oder in einer, in der die angenehmen Erfahrungen und das Wohlbehagen das Unbehagen übertönen. So gibt es nur die beiden Möglichkeiten, daß man entweder in angenehmem Dasein weiterexistiert oder in unangenehmem.
Betrachtet man seine innersten Wünsche, dann kann man sehr leicht erkennen, daß man eigentlich nach Angenehmem strebt, daß einem Angenehmes wesentlich lieber ist als Unangenehmes. Man möchte daher sicher auch in der Zukunft eher in angenehmem Dasein weiterexistieren als umgekehrt.
Was führt nun dazu, daß man entweder in angenehmem oder in unangenehmem Dasein existiert? Diese Existenzen werden von spezifischen Ursachen hervorgerufen. Heilsame Eindrücke sind die Ursache für angenehme Existenz, unheilsame Handlungen sind die Ursache für Existenzen in elendem Dasein.
Wenn es einem gelingt, die negativen Eindrücke vollständig zu beseitigen, dann hat man die Ursache für Existenz in elendem Dasein ebenfalls beseitigt, und es ist unmöglich, in Leid weiterzuexistieren. Ebenso führen heilsame Handlungen zu Existenzen in angenehmem Dasein. Sie sind die Ursache für ein Leben in angenehmer Umgebung, von angenehmer Natur.
Das Gesetz von Ursache und Wirkung trifft genauso zu in bezug auf Existenzen in elendem Dasein. Die negativen Eindrücke oder die Resultate negativer Handlungen, die ein elendes Dasein produzieren, sind nicht irgend etwas, das draußen im Garten liegt, sondern etwas, das im eigenen Geisteskontinuum existiert. Und diese Eindrücke gilt es zu beseitigen. Ebenso sind die heilsamen Potentiale, die positive oder angenehme Existenzen hervorrufen, nicht etwas, das man bestellen und dann als Ware in sein Haus bringen kann, sondern es sind Dinge, die man selbst erwirken muß.
Das ist sehr leicht zu verstehen. Wenn Sie eine Bohne haben und sie in fruchtbare Erde pflanzen, dann werden aus dieser Bohne immer nur wieder Bohnen wachsen, und ebenso aus einem Getreidekorn immer nur wieder Getreide. Die Bohne produziert kein Getreide, und das Getreide wird nie eine Bohne hervorbringen. Ähnlich werden heilsame Eindrücke immer Angenehmes produzieren, und unheilsame Eindrücke immer Unangenehmes.
Man hat im gegenwärtigen Moment die körperlichen, sprachlichen und geistigen Fähigkeiten, um negative Eindrücke zu beseitigen und heilsame anzusammeln. Deshalb sollte man sich dessen auch bewußt werden und nicht bis zum Ende des Lebens warten, wo man diese Fähigkeiten verliert.
Man kann dann im Laufe der Zeit durch Überlegungen zu einer Einstellung gelangen, daß einem die weitere Zukunft jenseits dieses Lebens wichtiger ist als dieses Leben selbst; daß man das Gefühl hat, ja, dieses Leben mag sein, wie es will, es ist nicht das ein und alles; was in der weiteren Zukunft auf mich wartet, was dafür getan werden kann, ist wesentlich bedeutender. Wenn eine solche Einstellung gefunden worden ist und die eigenen Handlungen bestimmt, wird von der Einstellung der Person kleiner Fähigkeit gesprochen.
In den Erklärungen über die Stufen der Entwicklung zur Erleuchtung wird immer wieder von diesen sogenannten drei Personen gesprochen, von der Person mit kleiner, der mit mittlerer und der mit großer Fähigkeit. Die eben erwähnte Einstellung würde der Person mit kleiner Fähigkeit entsprechen. Wenn keine solche Einstellung entwickelt wird und sie einen nicht beherrscht, dann mag noch so viel Religion oder Dharma im Lande sein, selbst ist man nicht eine Person, die irgendeine dieser drei Einstellungen gefunden hat.
Wörtlich heißen diese drei Personen einfach kleine, mittlere und große Person. Das bedeutet nichts Äußerliches, Körperliches, und auch nichts in bezug auf die Stellung irgendeiner Person, sondern bezieht sich lediglich auf die Einstellung des Geistes einer Person.
Wenn von Bereinigung negativer und von Ansammeln heilsamer Eindrücke die Rede ist, dann mag das vielen Leuten als etwas ganz Getrenntes, Verschiedenes erscheinen. Und manche sagen sogar, wenn sie z.B. Vajrasattva-Mantras rezitieren, diene das nur dazu, um negative Eindrücke zu beseitigen, nicht aber um Heilsames anzusammeln. Das ist nicht richtig. Beides geht immer Hand in Hand; ein Ansammeln heilsamer Eindrücke bedeutet ein Vernichten negativer Eindrücke, und Bemühungen, um negative Eindrücke zu bereinigen, sind immer ein Ansammeln heilsamer Eindrücke.
Die Person, die inzwischen zur Einstellung gelangt ist, daß ihr die weitere Existenz über dieses Leben hinaus bedeutender ist als das, was nur in diesem Leben zu erreichen ist, bemüht sich dann einerseits darum, durch verschiedene heilsame Handlungen negative Eindrücke zu beseitigen und dadurch eine zukünftige Existenz in elendem Dasein zu vermeiden, und andererseits darum, heilsame Eindrücke anzusammeln, Heilsames zu tun, um eine Existenz in angenehmem Dasein zu erzeugen.
In dem Maß, in dem diese Person Heilsames ansammelt, in dem das heilsame Pontential in dieser Person weiterentwickelt wird, in dem Maß wird auch das Verständnis oder die Intelligenz dieser Person erweitert.
Nachdem sich diese Entwicklung eine Zeitlang fortgesetzt hat, empfindet die gleiche Person, daß die frühere Einstellung, lediglich elendes Dasein zu vermeiden und angenehmes Dasein zu erreichen, etwas zu gering ist.
Die Person erkennt, daß eine weitere Existenz im Daseinskreislauf, sei es als Mensch oder als Deva, nur begrenztes Wohlergehen mit sich bringt, daß sie ja selbst im gegenwärtigen Moment ein Mensch ist und nicht viel anderes erfährt als Schwierigkeiten und begrenzte Freuden, und daß auch eine Existenz als Deva nicht viel anderes bringt als angenehme Empfindungen, die durch bestimmte Umstände für kurze Zeit hervorgerufen werden.
Indem die Unsicherheit und die Begrenztheit jeglicher angenehmer Existenz im Daseinskreislauf erkannt wird, wird die Einstellung noch etwas erweitert. Was ein menschliches Leben beinhaltet, das können wir alle sehr leicht selbst feststellen; wie viele Schwierigkeiten man mit sich herumwälzt und daß man vor Sorgen und Gedanken fast wie eine Bombe ist, die kurz vor der Zündung steht, das kennt man sicher, wenn man sich selbst betrachtet.
Eine stufenweise Entwicklung der Einstellung und der Überlegungen führt dann zu dem intensiven Wunsch, um jeden Preis eine Loslösung vom Daseinskreislauf zu erfahren, das heißt, keine weiteren Existenzen als Wesen des Daseinskreislaufs mehr annehmen zu müssen.
Wenn Sie z.B. einen wilden Vogel in einen Käfig sperren, dann können Sie den Käfig anmalen, wie Sie wollen, es wird den Vogel nicht besonders freuen. Das einzige, was ihm wirklich etwas bringt, ist freigelassen zu werden.
Ähnlich erkennt die Person, daß - mag diese Existenz im Daseinskreislauf sein, wie sie will - das einzige, was ihr wirklich etwas bringt, eine Loslösung von diesem Daseinskreislauf ist. Durch ihre Überlegungen kommt sie dann mit der Zeit so weit, daß sie das Wohlbehagen des Daseinskreislaufes als etwas sehr Geringes betrachtet, und das Wohlbehagen der Befreiung, d.h. ein Glück, das unumstößlich ist und das nicht abnimmt, als das eigentliche, erstrebenswerte Ziel erkennt.
Das Maß, das die Einstellung oder der Geist dieser Person erreicht hat, ist das, das mit der Person mittlerer Fähigkeit oder der mittleren Person beschrieben wird.
Wenn jemand zu dieser Person kommt und erzählt, wie gut es irgend jemandem geht, wie wohlhabend er ist und wie außergewöhnlich und glücklich er lebt, dann wird das die Person nicht mehr sehr beeindrucken; sie wird das Gefühl haben, das wird auch so etwas sein, und das Glück der Loslösung vom Daseinskreislauf wiegt wesentlich schwerer im Geist dieser Person.
Auf welchen Weg man sich begibt, sei es den der geringen, der mittleren oder der großen Person, das liegt ganz an einem selbst, an der Einstellung, die man in sich hervorruft.
Was immer man anstrebt, kann jedoch auch nur dadurch erreicht werden, daß man sich einesteils selbst bemüht, selbst anstrengt, sich andernteils auf den Buddha, den erleuchteten Geist, verläßt, bei ihm seine Hilfe sucht und um seinen Segen bittet. Jede andere Bemühung wird nicht zu großen Resultaten führen.
Durch diese Einstellung werden abermals sehr positive Eindrücke gesammelt, die ein Verstärken der heilsamen Potentiale, des Verdienstes in der Person darstellen. Dies führt wiederum zu einer Intensivierung ihres Verständnisses, ihrer Intelligenz.
Wenn von Eigenliebe oder Egoismus die Rede ist, dann versteht man darunter meistens etwas, das vollständig zu beseitigen ist. Der Wunsch, selbst in der Zukunft nicht in elendes Dasein zu fallen oder eine Loslösung vom Daseinskreislauf zu erlangen, beinhaltet ebenfalls eine gewisse Ichbezogenheit. Das ist jedoch eine Ichbezogenheit, die durchaus nicht zu beseitigen ist. Es gibt verschiedene Arten von Egoismus oder Ichbezogenheit; solche, die nur schädlich sind, die es wirklich nur auszumerzen gilt, und andere, die einen dennoch auf heilsame Wege leiten können.
Durch fortgesetztes Anwenden von Dharma wird die Kraft der heilsamen Potentiale und damit das Verständnis in der Person noch mehr verstärkt werden, was dann mit der Zeit zu einer weiteren Veränderung ihrer Einstellung führt.
Die Person erkennt, daß der frühere Wunsch, selbst von elendem Dasein und von einer Existenz im Daseinskreislauf freizukommen, immer nur auf sie selbst bezogen war, und empfindet das als einen gewissen Fehler. Es kommt ihr der Gedanke, daß, selbst wenn es ihr gelingt, eine Befreiung vom Daseinskreislauf, das Glück dieser Loslösung zu erlangen, es immer noch nur eine Person ist, die dann Angenehmes empfindet; daß es nichts so Besonderes ist, wenn es einer Person gut geht, und daß die anderen wesentlich mehr sind als nur man selbst.
Außerdem erkennt diese Person, daß diese vielen andern zum größten Teil in sehr unangenehmer Weise existieren, in Arten der Existenz, die voll von Leid und Schwierigkeiten sind; betrachtet man nur die Menschen oder die Tiere oder die verschiedenen Bereiche elenden Daseins.
Durch fortgesetzte Überlegungen dieser Art entwickelt die Person mit der Zeit einen Vorzug für den Wunsch, daß es den andern gut gehen möge, daß es allen Wesen, diesen unendlich vielen Wesen, gut gehen möge, so daß der Gedanke, etwas zu tun, das diesen von Nutzen ist, der Person mehr Freude macht als ein Gedanke an eigenes Glück.
Durch eine Gewöhnung an diesen Gedanken, eine Schulung in diesem Wunsch wird dann die Person eines Tages feststellen, daß das, was ihr zur Verfügung steht, ihr eigener Geist, ihre eigene Rede und ihr eigener Körper ist und das bißchen an heilsamen Eindrücken, die in der Vergangenheit angesammelt worden sind. Mit diesen Werkzeugen möchte die Person dann alles unternehmen, um das Wohl der andern zu erwirken, und sie widmet die Verwendung dieser vier Dinge vollständig dem Erreichen dieses Zieles. Wenn eine solche Einstellung den Geist der Person beherrscht, dann ist sie eine sogenannte große Person.
Zuvor bemühte sich die Person, Heilsames zu tun und Verdienste anzusammeln, um für sich selbst gewisse Ziele zu erreichen. Nun ist ihr ganzes Streben darauf gerichtet, etwas zum Wohl der andern zu tun. Die Auswirkungen dieser Bemühungen für das Wohl sämtlicher anderer Wesen sind unvergleichlich stärker als die, die nur auf die Person selbst gerichtet waren.
Durch diese Möglichkeit, intensiv starkes Verdienst anzusammeln, wird auch die Fähigkeit des Geistes dieser Person ganz unvergleichlich erhöht.
So sollte deutlich geworden sein, daß die Unterscheidung zwischen kleiner, mittlerer und großer Person sich nicht auf den Körper oder auf den Stand der Person bezieht, sondern lediglich auf ihre Einstellung, auf ihre geistigen Fähigkeiten.
Durch diese intensive Entwicklung des Geistes werden natürlich die negativen Eindrücke und Hindernisse im Maße der Stärkung der Kraft des Geistes beseitigt. Die Fähigkeiten des Geistes werden dann vollständig oder zum größten Teil auf dessen weitere Schulung in der Meditation verwendet. In der Entwicklung der meditativen Fähigkeiten werden die Gedanken, Überlegungen und Erkenntnisse der Person immer feiner und subtiler, die gröberen Gedanken und Einstellungen läßt sie hinter sich. Durch die fortgesetzte Entwicklung der Meditation werden subtilere und subtilere Geisteszustände erreicht und grobe Zustände beseitigt, bis ein allersubtilster Geisteszustand erreicht worden ist.
Auf unserer Stufe können wir lediglich die groben Zustände des Geistes benützen, um Dinge zu tun. Wenn durch eine solche Entwicklung die subtileren Geisteszustände hervorgebracht werden, dann können diese ebenfalls zur Ausführung verschiedener Dinge und zum Erreichen beliebiger Ziele verwendet werden, und sie sind dann unvergleichlich wirksamer und stärker.
Der Zustand, der erreicht wird, wenn diese subtilen Geisteszustände zur Vervollkommnung gebracht und durch sie sämtliche Fehler beseitigt und sämtliche heilsamen Eigenschaften vervollständigt worden sind, wird Buddhaschaft genannt.
Wenn nun von diesem Buddha, von diesem erleuchteten Geist, die Rede ist, dann wird oft von vier Körpern gesprochen, oder, zusammengefaßt, von dem Formkörper und dem Dharmakörper oder dem sogenannten Rupakaya und Dharmakaya.
Der subtile Geist, der bis zur Vervollkommnung gebracht worden ist, der sämtliche Fehler beseitigt und sämtliche heilsamen Eigenschaften voll entwickelt hat, wird dann als der Geist des Buddha oder als erleuchteter Geist oder, mit den Ausdrücken dieser vier Körper, als der Dharmakörper bezeichnet. Und was diesen Dharmakörper hervorbringt, das sind diese subtilen Geisteszustände.
Dieser subtilste Geist, der der eigentliche Geist des Buddha ist, wird als Weisheitsdharmakörper bezeichnet, und seine letztliche Art des Bestehens als Essenzkörper.
Diese zwei, der Essenzkörper und der Weisheitsdharmakörper, werden oft als Körper zum eigenen Wohle der Person oder des Buddha bezeichnet. Der Grund dafür ist, daß diese zwei Körper die Loslösung von sämtlichen Fehlern und das Erreichen sämtlicher heilsamer Eigenschaften darstellen.
Ein weiterer Grund, weshalb diese zwei Körper oft als Körper zum eigenen Wohle des erleuchteten Wesens bezeichnet werden, ist, daß sie nur von erleuchteten Wesen erkannt werden können und nicht von Wesen, die die volle Erleuchtung noch nicht erreicht haben.
Was ist nun unter dem Formkörper oder dem Rupakaya zu verstehen? Er ist die Erscheinung des Weisheitsdharmakörpers für andere Wesen, damit sie mit dieser erleuchteten Person in Kontakt treten können.
Der Dharmakörper erscheint in den unterschiedlichsten Formen. Wie Sie sicher wissen, gibt es unzählige Arten und Erscheinungen des erleuchteten Geistes oder des Buddha. Und diese Erscheinungen sind nicht etwas, das der erleuchtete Geist durch seine eigene Motivation aussendet oder auf Grund eines eigenen Wunsches erzeugt, sondern etwas, das durch die Wesen selbst in Abhängigkeit vom Dharmakörper zum Vorschein kommt.
Die Art des Bestehens dieser Erscheinungen ist auch in keiner Weise mit unserer Existenz zu vergleichen. In uns sind im gegenwärtigen Moment der Körper und der Geist vereinigt, aber ihre Ursachen sind gänzlich verschieden. Die Ursache für unsern Körper sind die regenerativen Substanzen der Eltern, während der gegenwärtige Geist seine Ursache in den vorhergehenden Momenten des gleichen Kontinuums hat.
Die Formkörper des Buddha dagegen sind jedoch lediglich eine Erscheinung des Dharmakörpers und in ihrer Natur deshalb ebenfalls von der Natur des Dharmakörpers und in keiner Weise verschieden von der Natur des Weisheitsdharmakörpers.
Es wird immer wieder davon gesprochen, daß es unendlich viele Buddhas gibt. Man fragt sich, wieso und wozu? Es gibt zahllose Wesen, und ganz entsprechend ihren Notwendigkeiten und Voraussetzungen erscheint der erleuchtete Geist in diesen vielen unterschiedlichen Formen.
Zudem wird immer wieder gesagt, daß alle Buddhas von der gleichen Natur sind. Der Grund dafür liegt darin, daß sämtliche Erscheinungen lediglich eine Erscheinung des Dharmakörpers sind, daß sie alle von der Natur des Dharmakörpers und dadurch alle von einer Natur sind.
So würde ein Dharmakörper einem Wesen, das besondere Verbindung mit der Tara hat, in der Form der Tara erscheinen, einem andern Wesen, das eine entsprechende Verbindung mit Manjushri hat, in der Form des Manjushri, und einem andern in der des Avalokiteshvara, oder in jeder beliebigen anderen Erscheinung des Buddha. Dieser eine gleiche Dharmakörper erscheint je nach Notwendigkeit und Voraussetzung der Wesen in diesen unterschiedlichen Formen.
Wenn man deshalb sein Vertrauen auf eine Erscheinung des Buddha setzt und diese, sei es als Gottheit oder was immer, erreicht oder diese Mittel anwendet, um den Zustand dieser Gottheit zu verwirklichen, dann hat man den Zustand sämtlicher Erscheinungen des Buddha erreicht.
Menschen sind ganz separate Personen. Wenn man z.B. von einem Mann und einer Frau spricht, dann sind das zwei Wesen von verschiedener Natur. Bei den Erscheinungen des erleuchteten Geistes jedoch trifft das nicht zu; so sind z.B. Tara und Avalokiteshvara lediglich unterschiedliche Erscheinungen des gleichen Dharmakörpers, und deshalb in ihrer Natur eins.
Diese Wirkensweise des Dharmakörpers soll folgendes Beispiel anschaulich verdeutlichen: In manchen Kaufhäusern ist die Decke mit Spiegeln verkleidet. Und wenn man die Decke betrachtet, dann sieht man die vielen Einkaufenden darunter in diesen Spiegeln reflektiert.
Werden nun diese vielen verschiedenen Farben, diese vielen Erscheinungen der Leute, die einkaufen und alles mögliche machen, von den Spiegeln produziert, von den Spiegeln ausgesandt, oder erscheinen diese Farben und Gestalten lediglich in Abhängigkeit von den vielen Personen, die darunter hin- und hergehen?
Die Spiegel haben nicht die Fähigkeit, irgendwelche Erscheinungen von sich aus zu produzieren, sondern die verschiedenen Farben und Formen erscheinen lediglich in Abhängigkeit von den Objekten, die in den Spiegeln gesehen werden.
Ähnlich werden die Erscheinungen des erleuchteten Geistes wie Tara usw. nicht durch die Absicht oder durch den Wunsch des Dharmakörpers ausgesandt, sondern es sind lediglich spontane Erscheinungen, die durch die Notwendigkeit der betreffenden Wesen entstehen.
Ähnlich wie der Spiegel nicht den Gedanken oder den Wunsch hat, die eine oder andere Erscheinung zu produzieren, so hat der Dharmakörper nicht den Wunsch oder den Gedanken oder die Vorstellung, sich so oder so zu manifestieren, sondern er erscheint spontan in Abhängigkeit von den Notwendigkeiten der Wesen.
Man wundert sich vielleicht, wie es möglich ist, daß so etwas wie der Buddha oder der erleuchtete Geist entsteht, der, ohne den spezifischen Wunsch oder Gedanken zu haben, den andern von Nutzen zu sein, ganz spontan in der einen oder anderen Form erscheint, um diese Ziele zu verwirklichen.
Das ist dadurch möglich, daß das Wesen als Bodhisattva den Gedanken und den Wunsch, den andern von Nutzen zu sein, ständig weiterentwickelte und schulte, dieses eine Ziel als das einzige Ziel sah und sämtliche Bemühungen und Gebete auf dieses Ziel gerichtet hat; dieser erleuchtete Zustand stellt eine Vervollkommnung und einen Abschluß dieser Entwicklung dar.
Uns ist die eigentliche Natur des Rupakaya oder der Erscheinungen des Buddha oft nicht sehr deutlich, und dann kommt es dazu, daß wir uns eine Zeitlang der einen Erscheinung sehr zugeneigt fühlen, nach einer gewissen Zeit diese wieder ganz beiseite legen und sagen, die tauge nichts, uns stattdessen einer anderen zuwenden usw.; das ist ein Spiel eines kleinen Kindes, hat aber nichts mit der Wirklichkeit zu tun, da alle diese Erscheinungen tatsächlich von der gleichen Natur sind.
Diese verschiedenen Erscheinungen entstehen lediglich durch die verschiedenen Notwendigkeiten der Wesen, entsprechend den verschiedenen Erfordernissen und Bedürfnissen der Wesen, aber der Buddha selbst hat nur eine einzige eigentliche Natur, und das ist die des Dharmakörpers.
Ähnlich verhält es sich mit der Rede des Buddha, mit den Worten des Buddha. Diese entstehen ebenfalls vollständig in Abhängigkeit von den Notwendigkeiten derer, an die sie gerichtet sind. Schon nur wenige Worte des Buddha beschreiben ganz die eigentliche Wirklichkeit so, wie sie ist. Die meisten Aussagen des Buddha, der größte Teil der Aktivität der Rede des Buddha entsteht nur durch die Bedürfnisse der Wesen.
Auch sind die Unterweisungen des Buddha vor allem darauf gerichtet, den andern zu nützen. Fragt man sich, was der primäre, entscheidende Faktor ist: der Nutzen, der den Zuhörern zuteil wird, oder eine fehlerlose Erklärung der tatsächlichen Wirklichkeit, dann ist es das erstere. Der Nutzen, der den Zuhörern zuteil wird, wiegt schwerer, hat den Vorrang bei der Auswahl der Worte des Buddha.
Es gibt zum Beispiel Leute, die ein Vertrauen auf den Buddha haben, eine Zuneigung zu ihm, ebenfalls Vertrauen auf das Dharma, und eine sehr tiefe innere Überzeugung von einer persönlichen Identität, von einer innewohnenden, aus sich bestehenden Identität der Person; von einer Identität, die im Buddhismus letztlich widerlegt wird. Würde der Buddha nun einem solchen Wesen sagen, daß es keine innewohnende Identität der Person gibt, dann würde er dadurch wahrscheinlich nur eine Störung des Geistes dieser Person verursachen; diese Person würde traurig werden, wüßte sich nicht zu helfen, und es wäre ihr nur geschadet worden.
Einer solchen Person würde der Buddha eher sagen, daß es eine persönliche Identität gibt; nicht nur, daß es sie gibt, sondern daß man sie auch weiterentwickeln muß. Um sie zu entwickeln, muß man die verschiedenen Unterweisungen und Methoden des Dharma anwenden. Solche Unterweisungen sind in den Sutras zu finden, es sind Unterweisungen, in denen die fünf Aggregate mit Gepäck verglichen werden, das von der Identität, von dem Ich der Person getragen wird.
Wenn ein Schüler mit den vorher beschriebenen Voraussetzungen solche Dinge hört, dann wird sein ohnehin schon vorhandenes Vertrauen auf den Buddha noch weiter gestärkt, er entschließt sich, seinen Anweisungen noch intensiver zu folgen, Dharma nach besten Kräften auszuüben und dadurch weitere heilsame Eindrücke zu sammeln.
So ist sicher deutlich geworden, daß es für diese Person wesentlich nützlicher war, vom Buddha die Bestätigung zu erhalten, daß es eine persönliche, innewohnende Identität gibt; denn dadurch wurde ihr Interesse am Dharma weiter verstärkt und ihre ernsthaften Bemühungen, Dharma anzuwenden, wurden weiter beflügelt. Eine Verneinung dieser Existenz hätte jedoch nur das Gegenteil bewirkt: ein vollständiges Abnehmen des Interesses der Person am Dharma und keine weitere Beschäftigung damit.
Diese Person wird dann durch weitere Bemühungen im Anwenden des Dharma starke positive Eindrücke sammeln, die auch das Verständnis dieser Person weiter fördern. Mit Hilfe des erhöhten Verständnisses wird sie sich eines Tages den eigentlichen Sachverhalt dieses innewohnenden Ichs und der fünf Aggregate genauer überlegen und erkennen, daß diese persönliche Identität nicht so ohne weiteres vorhanden sein kann.
Kommen dann in dieser Person Zweifel auf, ob eine solche innewohnende Identität auch wirklich existieren kann, wird sie sich wieder an den Buddha wenden, und der Buddha wird dann antworten, daß in Wirklichkeit kein solches Ich besteht, daß er lediglich eine solche Erklärung gab, um eine heilsame Entwicklung der Person zu ermöglichen.
Durch die weiteren Erklärungen wird das Verständnis der Person äußerst klar; einserseits sind in ihr durch die eigenen Überlegungen Zweifel entstanden, und zudem erhält sie dann eine sehr deutliche und klare Unterweisung vom Buddha. Und so haben diese weiteren Erklärungen dieser Person noch mehr geholfen als schon die vorhergehenden.
Für jemand Außenstehenden mag es eigenartig aussehen, daß der gleiche Buddha der gleichen Person zu einem Zeitpunkt sagt, es gebe eine innewohnende Identität, und zu einem späteren Zeitpunkt, es gebe sie nicht. Das mag als ein großer Widerspruch erscheinen. Für diese spezifische Person jedoch war die erste Aussage von großem Nutzen, und die zweite hat sie dann noch viel weiter gebracht.
Ein geschickter Arzt wird zum Beispiel einem Patienten manchmal sagen müssen, daß er starke, kräftige Nahrung zu sich nehmen soll, nämlich wenn er schwach und kränklich ist; und zu einem späteren Zeitpunkt wird der gleiche Arzt der gleichen Person sagen müssen, daß sie keine starke, kräftige Nahrung zu sich nehmen darf.
Zudem wird unter den Leuten, die ein solches Nichtvorhandensein einer innewohnenden Identität erkennen, ein Unterschied in der Tiefe der Erkenntnis dieses Nichtvorhandenseins bestehen.
So gibt es manche, die nur bis zu einem gewissen Grad ein Nichtvorhandensein einer solchen innewohnenden Identität erkennen und nur sehr grobe Begründungen zu dessen Erhärtung verstehen. Andere werden schon tiefer in diese Wirklichkeit eindringen und tiefere Gedanken und Begründungen durchführen können, andere vielleicht noch feinere, und nur ein ganz kleiner Teil wird das eigentliche Bestehen der Dinge erkennen, so, wie es tatsächlich ist.
Der Buddha hat allen diesen jeweils gesagt, daß ihre Annahmen richtig sind, daß sie mit diesen Annahmen weiterarbeiten und ihr Verständnis, ihre Erkenntnisse weiter vertiefen sollen. Er hat ihnen nicht gesagt, daß ihre Überlegungen der Wirklichkeit nicht vollständig entsprechen.
Wenn dadurch die eigenen Erkenntnisse die Wirklichkeit nur umreißen, aber nicht genau treffen, dann wird eine Bestärkung in den eigenen Annahmen zu einer weiteren Beschäftigung mit diesen Dingen führen, zu weiteren Bemühungen um die Ansammlung von Verdienst, was den Geist dieser Personen weiter schärft und ihnen dann erlaubt, der Wirklichkeit noch genauer auf die Spur zu kommen.
Aus diesem Grund gibt es im Buddhismus verschiedene philosophische Schulen, wie die Vaibhashikas, die Sautrantikas, die Cittamatrin, die Svatantrika-Madhyamikas und die Prasangika-Madhyamikas.
Im Lanka Avatara Sutra wird diese Wirkensweise des Buddha deutlich gemacht und mit der Wirkensweise eines Arztes verglichen; eines Arztes, der sich nur um das Wohl seines Patienten kümmert und ihm zu jedem gegebenen Zeitpunkt genau das sagt, was er jetzt am besten zu tun hat.
Denn als dieses Wesen ein Bodhisattva war, richtete es bis zum Erreichen der Buddhaschaft alle seine Aktivitäten darauf aus, den andern Wesen von Nutzen zu sein und die dazu notwendigen Fähigkeiten zu erlangen. Dadurch sind dann auch die Aktivitäten des erleuchteten Geistes des Buddha immer noch nur darauf ausgerichtet, den andern zu nützen, ihnen zu helfen. Deshalb ist alles gut und recht, was den andern nützlich ist.
Ich konnte diese Dinge nicht sehr genau erklären, aber wenn einem etwas deutlicher geworden ist, was unter dem Buddha zu verstehen ist, wenn man die außergewöhnliche Art der Wirkensweise des erleuchteten Geistes erkennt und dadurch ein Vertrauen und eine Hingabe findet und auf der Basis eines solchen Vertrauens und einer solchen Hingabe seine Zuflucht bei den erleuchteten Wesen sucht, dann ist das sehr nützlich.
Wenn man stattdessen die verschiedenen Erscheinungen des Buddha als unterschiedliche Wesen, wie es die Menschen sind, betrachtet und der Meinung ist, daß der Buddha ganz beherrschend den Wesen beibringen will, was zu tun ist und was nicht, dann sieht man die Dinge nicht so, wie sie sind.
Ich erwähnte nur einige Erscheinungen des Dharmakörpers. Wenn es den Wesen jedoch von Nutzen ist, dann gibt es auch Erscheinungen des Dharmakörpers in der Form von Wasser oder einer Brücke, eines Weihers oder was immer. In jeder beliebigen Form, die den Wesen zu einem letztlichen Glück und Vorteil verhelfen kann, wird sich der Dharmakörper manifestieren.
So sind die Erscheinungen des Dharmakörpers von der gleichen Natur wie der Dharmakörper und werden immer wieder in ihn zurückgezogen. Aber es kann durchaus auch vorkommen, daß durch bestimmte Notwendigkeiten, zum Beispiel, um den Lebewesen die Vergänglichkeit deutlich vor Augen zu führen oder um ihnen die Möglichkeit zu geben, heilsame Eindrücke zu sammeln, Erscheinungen des Dharmakörpers einen gewöhnlichen menschlichen Tod vorzeigen und einen Leichnam hinterlassen.
Ich schlage Ihnen vor, daß Sie über das nachdenken, was ich heute nachmittag erwähnt habe, daß Sie sich ein bißchen der eigentlichen Natur des Buddha bewußt werden. Ich habe nur eine ganz kurze Erklärung gegeben, ich habe nur die Eigenschaften des Körpers und der Rede des Buddha erwähnt. Es gibt noch viele andere Dinge zu besprechen, die verschiedenen Fähigkeiten des Buddha wie die friedlichen, weiten, beherrschenden und drohenden Aktivitäten und so weiter.
Wenn Sie Meditationen mit verschiedenen Erscheinungen des Buddha machen, ist es auch nützlich, sich des heute nachmittag Erklärten bewußt zu sein und damit zu versuchen, die Wirkung Ihrer Meditationen über diese Erscheinungen des Buddha etwas zu verstärken.
Wenn der Buddha Unterweisungen gibt, dann gibt er genau die, die dem Zuhörer von bestem Nutzen sind. Wenn wir irgend etwas über Dharma sagen, dann enthält das immer viel, was die Zuhörer interessiert, was ihnen nützt, und auch immer viel, was sie vielleicht nicht interessiert, was sie nicht anwenden können oder mögen. Deshalb ist es wichtig, daß man selbst entscheidet, was einem liegt, daß man selbst ausprobiert, was einem nützt, und das anwendet; alles, was gesagt wird, können wir nicht anwenden oder ist auch nicht unbedingt auf uns zutreffend.
Wenn man Dharma anwendet, ist es wichtig, daß man fröhlich und entspannt ist. Würde man versuchen, seine Bemühungen auf irgendeinen Aspekt des Dharma zu richten, der einem nicht liegt, wo man sich nicht wohl fühlt, dann ist es unmöglich, dabei fröhlich und entspannt zu sein, und dann ist es auch unmöglich, positive Resultate damit zu erzielen.
Der Dharmakörper ist der Geist des Buddha, und es sind wiederum zwei Dharmakörper zu unterscheiden: der Weisheitsdharmakörper und der Essenzkörper. Diese beiden sind nicht zwei unverbundene oder vollständig getrennte Dinge, sondern der Weisheitsdharmakörper ist der Geist, die Weisheit des Buddha, und der Essenzkörper ist die letztliche Art des Bestehens dieses Weisheitsdharmakörpers. Sie sind also nicht von unterschiedlicher Natur.
Und dieser Dharmakörper erfüllt die Bedürfnisse der Wesen spontan und ohne Anstrengung, ohne den Gedanken, jetzt mache ich das oder das.
Das wird mit folgendem Beispiel verglichen: Wenn der Mond in einer klaren Nacht scheint, dann spiegelt er sich in jedem klaren Wasser, ganz gleich, ob das nun ein See ist oder ein Weiher oder Wasser in einem Behälter oder was immer; der Mond hat nicht die Absicht, irgendwo sein Bild wiederzugeben, sondern er wird ganz spontan in jeder Art von klarem, ungetrübtem Wasser reflektiert. Ähnlich wirkt der Dharmakörper spontan, und er ist auch wahrnehmbar, wo die Verblendungen entsprechend reduziert sind. In sehr trübem Wasser wird sich keine Spiegelung des Mondes bilden, und je klarer das Wasser ist, desto deutlicher und schärfer wird sie sein.
Ähnlich wird der eigene Geist die verschiedenen Erscheinungen und Aktivitäten des Dharmakörpers um so deutlicher und in einem um so größeren Maß wahrnehmen, je klarer er ist, das heißt, je mehr er von Verblendungen befreit ist. Wenn z.B. verschiedene Wesen sich sehr bemühen, den Geist von Verblendungen zu befreien, dann kann ganz spontan die Erscheinung irgendeiner Manifestation des Dharmakörpers auftreten, so z.B. der Tara.
Auf einem Thanka oder auf einem Bild wird die Tara heutzutage meistens in einer sitzenden Haltung dargestellt, die rechte Hand offen nach vorne gerichtet und die linke vor der Brust. Das rührt daher, daß irgendein großer Meister dadurch, daß sein Geist von Verblendungen befreit war, die Erscheinung des Dharmakörpers wahrnahm, und zwar in dieser Form, und das weitergab, und daß dann entsprechend diesen Erklärungen Zeichnungen angefertigt werden. Das heißt aber nicht, daß die Tara immer so dasitzt.
Auch Buddha Shakyamuni wird in ganz bestimmten Stellungen gezeichnet, was auch eine spezifische Bedeutung hat, aber nicht heißt, daß er immer nur diese Stellungen einnimmt.
Wenn wir verschiedene Zeichnungen sehen, dann sagen wir manchmal ganz spontan, das ist die Tara oder sieht der Tara ähnlich; in Wirklichkeit jedoch wissen wir nicht so genau, wie die Tara aussieht, sondern wir sagen damit nur, daß die Zeichnung einer Darstellung der Tara, die wir kennen und als solche akzeptieren, ähnlich ist.
Das ist nur ein Beispiel, das auf alle Darstellungen der Buddhas zutrifft; auch Manjushri sitzt nicht immer mit erhobenem Schwert. Diese Erscheinungen traten auf und bezwecken ihre ganz bestimmten Ziele; aber das heißt nicht, daß sie sich nur so zeigen können.
Ich habe erklärt, daß der Zustand des Dharmakörpers von einem Wesen erlangt werden kann, das die geistige Entwicklung, wie ich sie kurz beschrieben habe, vollzieht. Wenn Sie meinen, daß der Dharmakörper aus großen Meistern oder solchen Wesen entsteht, dann bezieht sich das nicht auf Leute, die sich als solche präsentieren.
Wenn der Geist immer weiter entwickelt wird und immer subtilere Geisteszustände hervorgebracht werden können, dann wird der Zustand des Dharmakörpers in dem Moment erreicht, in dem der subtilste Geisteszustand hervorgebracht worden ist und er von sämtlichen negativen Aspekten befreit ist und sämtliche heilsamen Eigenschaften vervollkommnet hat. Das Wesen, das diesen Zustand erreicht, erreicht damit die Buddhaschaft, und der Dharmakörper ist dann der Geist dieses Wesens und damit auch der Geist des Buddha, und nur das erleuchtete Wesen besitzt diesen Geist.
Aber dieser Geist kann in den verschiedensten Formen erscheinen und dann auch von anderen, gewöhnlichen Wesen wahrgenommen werden; was aber nicht bedeutet, daß dadurch diese gewöhnlichen Wesen diesen Geist in sich haben oder erlangt hätten.
Der Mond z.B. befindet sich am Firmament, und seine Spiegelung kann sich in einem See usw. zeigen; ähnlich können sich die Auswirkungen oder die Manifestationen des Dharmakörpers vor gewöhnlichen Wesen zeigen.
Durch die fortgesetzte Entwicklung und das Ansammeln verschiedener Fähigkeiten und Verdienste wird dann mit der Zeit der eigene Geist zu diesem Dharmakörper, oder er kann diesen Zustand des Dharmakörpers erreichen.
Wenn man von Geshe spricht und seiner letztlichen Art des Bestehens, dann mag uns das als etwas Unterschiedliches erscheinen, aber die Leerheit in bezug auf Geshe ist nichts anderes als seine letztliche oder eigentliche Art des Bestehens.
Man kann in bezug auf alles, also in dem Fall auch in bezug auf Geshe, zwei Arten des Bestehens unterscheiden; die eine ist die konventionelle Art des Bestehens und die zweite die letztliche.
Unter der konventionellen Art des Bestehens ist seine Art des Seins zu verstehen, wie wir sie wahrnehmen, daß er hier sitzt und das und jenes tut.
Seine letztliche Art des Bestehens ist die Art des Bestehens, die beschrieben wird, wenn gefragt wird: Was ist dieser Geshe Rabten, der da sitzt? Dann ist die Antwort, er besteht in Abhängigkeit von seinem Körper, seinem Geist, von dem, das ihn benennt usw., also in Abhängigkeit von vielen verschiedenen Faktoren; und er ist frei oder leer von einer innewohnenden Existenz. Das ist mit letztlicher Art des Bestehens gemeint.
Ähnlich ist es, wenn man vom Weisheitsdharmakörper spricht und sich fragt: Wie existiert er, was ist seine Art des Bestehens? Dann ist die Antwort: Er ist in Abhängigkeit von der Anhäufung heilsamer Fähigkeiten, von Verdienst und heilsamem Potential usw. entstanden, er existiert nicht unabhängig aus sich heraus; und das ist seine letztliche Art des Bestehens. Das wird unter dem Essenzkörper verstanden.
Diese Lampe z.B. ist hell, und ihr Aspekt des Hellseins und ihr Aspekt des Nichtdunkelseins sind an und für sich das gleiche. Man kann nicht den Aspekt des Hellseins und den Aspekt des Nichtdunkelseins vollständig voneinander trennen. Diese beiden gehen Hand in Hand und sind wie zwei Seiten des gleichen Dings.
Wenn nun vom Dharmakörper die Rede ist, könnte man das vielleicht so vergleichen, daß der Weisheitsdharmakörper dem Hellsein der Lampe entspricht, und der Essenzkörper dem Nichtdunkelsein der Lampe.
Analog wird der Dharmakörper in bezug darauf, daß er frei von einer unabhängigen, aus sich bestehenden Existenz ist, als Essenzkörper, und in bezug darauf, daß er konventionell als Benennung existiert und wirksam ist, daß er das Wohl der Wesen erwirkt, als Weisheitsdharmakörper beschrieben.
Das war nur ein Beispiel in bezug auf den Dharmakörper; das gleiche trifft aber auf alles zu: Das trifft auf uns zu, trifft auf diese Hand zu und auch auf die Blumen oder was immer.
Das Beispiel bezieht sich nur auf einen bestimmten Effekt. Die Spiegelung des Mondes ist im Wasser wahrzunehmen, während die Aktivitäten des Dharmakörpers nicht in dem Wesen sind, dem sie zukommen. Insofern sind diese Beispiele also nicht miteinander zu vergleichen. Es war nur der eine Punkt vergleichbar, den ich erwähnt habe.
Aber ein Punkt, der deutlich gemacht werden sollte, ist, daß bestimmte Umstände vorhanden sein müssen, damit der Mond sich reflektiert. Einerseits muß das Wasser klar sein, und andererseits muß der Mond ebenfalls klar scheinen. Bei bewölktem Himmel und wenn der Mond nicht scheint, gibt es auch keine Spiegelung; wenn das Wasser nicht klar und glatt ist, dann gibt es ebenfalls keine Spiegelung. So muß das Wasser von seiner Seite her klar und glatt sein, damit es die Eigenschaft hat, den Mond zu reflektieren; es besteht aber nicht die Notwendigkeit einer Absicht des Mondes.
Ähnlich erscheinen die Aktivitäten des Dharmakörpers, wenn die Voraussetzungen bei den Wesen erfüllt sind, spontan, ohne den spezifischen Gedanken des Dharmakörpers, das zu tun. Das ist so, wie ich vorhin mit dem Beispiel des Spiegels erklärt habe.
Aber das heißt nicht, daß sich der Dharmakörper seiner selbst nicht bewußt wäre oder daß er irgend etwas nicht wüßte, sondern ganz im Gegenteil, er erkennt sämtliche Dinge in ihrer eigentlichen Existenz und in ihrer konventionellen Erscheinungsform. Er benötigt aber nicht den Gedanken, gegenüber diesem Wesen werde ich mich so zeigen oder so, sondern er erscheint ganz spontan, ohne daß solche gedanklichen Absichten den Aktivitäten vorangehen.
Um dies mit einem andern Beispiel deutlich zu machen: Wenn es regnet, dann hat weder die Wolke noch der Regen den Gedanken, da oder dort die Erde naß zu machen.
Damit möchte ich nur deutlich machen, daß der Dharmakörper keine Gedanken oder Vorstellungen hat. Gedanken und Vorstellungen sind etwas, das die gewöhnlichen Wesen charakterisiert.
Und wenn Sie jetzt auf den Gedanken kommen, daß der Dharmakörper an nichts denkt und nichts weiß, weil er keine Gedanken hat, dann ist das ein grober Fehlschluß.
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